

LINDENOW20
KOTEKA Kollektiv stellt sich vor
Zum LINDENOW – Kunstraumfestival im Leipziger Westen zeigen wir Arbeiten der Künstler:innen Madalena Bastos, Christian Berkes, Nicole Burnett, Laura Wellschmiedt und Jolusch - von Malerei über Audio-Installationen und Klangkulisse bis Kurzfilm.
Die KOTEKA vereint Arbeitsraum und Ausstellungsort und bringt Menschen mit unterschiedlichen Interessen zusammen.
Öffnungszeiten: Fr 17–20 Uhr · Sa 14–19 Uhr · So 12–17 Uhr
Christian Berkes — Gefängnisbibliothek
ortsspezifische Audio-Installation (2026)
Das begehbare Environment im ehemaligen Kellertresor der Georg-Schwarz-Straße 138 thematisiert die Bedeutung von Gefängnisbibliotheken für die inhaftierten Personen und die Gesellschaft außerhalb. Die Arbeit und ihr Material gehen zurück auf eine Künstler*innenresidenz in Krems/Niederösterreich im Jahr 2023. Die Bibliothek der Justizvollzugsanstalt Stein liegt beinahe in Sichtweite der Architekturbibliothek des Artist in Residence-Programms der Stadt Krems.
Über den Künstler
Christian Berkes arbeitet an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Kunst und Publizistik. Er ist Urbanist, freier Künstler und Gründer des Verlagsprojektes botopress. Er hat für die ARCH+ und Pro qm gearbeitet. Heute ist er Referent für Transfer an der Fachhochschule Potsdam. Zu seinen wiederkehrenden Arbeitsschwerpunkten zählen die Möglichkeiten des kooperativen Gestaltens, die Geschichte, Theorie und Praxis fachlich vermittelnder Ausstellungen sowie Fragen der (urbanen) Repräsentation. Er lebt in Leipzig und Berlin.
Jolusch — Klangkulisse
Genre ist elektronisch, ambient, atmosphärisch, minimalistisch, eben reduziert. Den Rest erfährt man dann wenn man die Koteka anschauen kommt.
Laura Wellschmiedt — „A LOT"
Kurzfilm, 3:50 Min.
„A LOT" ist der Versuch, ein diffuses Gefühl von Verlorenheit und Überforderung, Orientierungslosigkeit, Trauer und innerem Kampf zu visualisieren. Mein erster Kurzfilm entstand innerhalb von drei Tagen im Rahmen von „Kino Datsche", einem DIY-Filmfestival in Leipzig.
Über die Künstlerin
Ich lebe noch nicht lange in Leipzig und bin noch dabei, meinen Platz in dieser Stadt zu finden. Wo genau es hingeht oder hingehen soll, weiß ich nicht. Ich sitze mein Leben lang schon zwischen Stühlen auf der Suche nach irgendwas. Das hat mich an viele schöne Orte gebracht und ich habe viel gesehen und kennengelernt. Ich beobachte, entdecke und recherchiere gerne, erforsche und sammle Geschichten, Gedanken und Gefühle, mag Ambivalenzen, denke viel in Metaphern und nach Balance suche ich vielleicht. Ich interessiere mich für und arbeite mit: Sprache(n), (analoger) Fotografie, Räume, Basteleien, (Comic-)Zeichnungen, bewegte Bilder. Ich verstehe diesen meinen ersten Kurzfilm als eine Art Auftakt, die vielen Ideen, Bilder, Gedanken und Gefühle aus meinem Kopf in etwas Sichtbares umzuwandeln – und mich zu trauen, das dann auch zu zeigen, Raum einzunehmen. Den Kunstbegriff, so wie er sich in mir leider seit dem Kunst-Leistungskurs in der Schule eben als Leistung festgesetzt hat, der den Fokus auf die betrachtende Wertung und nicht auf den persönlichen Ausdruck legt, wieder umzudenken. Das ist nicht der erste Versuch, aber ein Neuer.
Madalena Bastos — O.T.
Malerei
Diese Ausstellung ist eine visuelle Reise durch die Trauer, inspiriert durch den tragischen Unfall einer nahestehenden Person. Jedes Gemälde ist ein Fragment dieses Schmerzes, übersetzt in Formen, Farben und Gestalten, die die emotionale Landschaft des Wandels widerspiegeln. Die Arbeiten untersuchen, wie Trauer die Wahrnehmung verzerrt und verändert, und nutzen dabei abstrakte und expressive Elemente, um das auszudrücken, was Worte nicht vermögen. Mit dieser Serie lade ich die Betrachter ein, Zeuge der rohen, ungefilterten Reflexion eines Kampfes zu werden und ihre eigenen Emotionen in der Leinwand widergespiegelt zu finden.
Über die Künstlerin
Madalena Bastos ist eine portugiesische Künstlerin, die vor etwa zwei Jahren nach Leipzig gezogen ist. Sie verfügt über einen Hintergrund in den Bereichen Illustration und Buchredaktion sowie über umfangreiche Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und der Gemeinschaft. Im Jahr 2020 gründete sie „Casa Voadora" – ein Kreativstudio, das Laden, Galerie, Kunstkurse und Veranstaltungen vereint. Heute bringt Madalena ihr Projekt über Portugal hinaus, unter anderem nach Leipzig, wo sie Workshops und Kunstkurse veranstaltet. Mit Sitz im Koteka-Raum betreibt sie nun ein Atelier, das sich auf die Malerei und eine neue künstlerische Richtung konzentriert, in der sie ihre persönliche Seite stärker auslotet.
Nicole Burnett — Was ist Kritik? oder?
Audio-Installation (2025)
„Hier könnte auch ihre Installation stehen- oder? Ein Erfahrungsprotokoll zwischen den Stühlen"
Über verwehrte Zugänge, die Frage nach dem Ort der Wissensspeicherung und den Preis des Lesens
Über philosophische Texte lässt sich diskutieren, streiten und (ver)zweifeln. Ein Teil dieses Prozesses ist immer auch die Kritik am Gelesenen. Stringenterweise macht sich also die Philosophie im Rahmen der Erkenntnistheorie auch Gedanken über die Frage „Was ist Kritik?", in diesem Fall namentlich vertreten durch Michel Foucault (1926-1984).
Nicole Burnett stellt sich diese Frage, im Anschluss an Foucault, auch. Und sie fragt weiter: Wer hat überhaupt das Privileg eines Zugangs zu diesen Themen? Was verstehen wir als Arbeit und wie hängt dieses Verständnis mit unserer Herkunft zusammen? Und wie und wo speichern wir eigentlich welche Art von Wissen?
Wir begleiten sie auf ihrer Suche nach einem Zugang zu einer Welt mit eigenen Spielregeln, vielleicht auch nach linearen Antworten, die sich der Suchenden aber zunächst verweigern. Gefunden werden Hürden, Hindernisse, kritische Perspektiven. Und ein Zugang zu ihr selbst.
Text: Philipp Ahrens
Über die Künstlerin
Nicole Burnett geboren in Rosenheim hat polnische Eltern. Sie ist als Kind oft umgezogen (Bayern, Thüringen, Hessen, USA / „8 Schulen") und lebt in Leipzig. Sie ist in der Gastronomie aufgewachsen und absolvierte ihr Studium an der HGB in Fotografie bei Joachim Brohm & Dr. Ines Schaber, sowie Performative Künste bei Isabel Lewis. Sie beschäftigt sich mit Natur, sozialen Räumen, Architektur und Klassismus. 2025 gründete sie mit Eddy Salzmann KOTEKA, einen Arbeitsraum und Veranstaltungsort in Leipzig.
